Ausgangslage

Der demografische Wandel stellt das Gesundheitssystem vor zahlreiche Herausforderungen, sowohl aus medizinischer als auch aus gesundheitsökonomischer Sicht. Die Entwicklung neuer Versorgungskonzepte mittels digitaler Unterstützung bieten dafür Lösungsansätze.

Eine dieser Herausforderungen ist die künftig zunehmende Betreuung und Behandlung von multimorbiden Patienten mit Demenz. Sie weisen Einschränkungen in den Bereichen Kognition, Wahrnehmung und Artikulation auf und leiden häufig – aufgrund ihres oftmals fortgeschrittenen Alters und der demenzassoziierten Verschlechterung des Gesundheitszustandes – an mehreren Krankheiten gleichzeitig (Multimorbidität). Daher benötigen sie zahlreiche Unterstützungs-, Pflege und Therapieleistungen in unterschiedlichen Versorgungssituationen: Zuhause, Arztpraxis, ambulante Pflege, Apotheke, ambulante therapeutische Leistungen, Krankenhaus, Senioreneinrichtung.

Ziel

Das Ziel des Verbundprojektes SimPat ist die Entwicklung eines Fallmanagements, das auf Informations- und Kommunikationstechnologien basiert. Es verknüpft die Demenzkranken und deren Angehörige mit den professionell Pflegenden und den Ärzten im gesamten Versorgungsprozess.

Ein E-Learning-Ansatz erweitert das Angebot mit dem Resultat, die selbstmanagementfähigkeiten der Patienten und der pflegenden Angehörigen zu stärken.

Durch SimPat sollen die Effektivität und Qualität der Versorgung sowie die Lebensqualität der Patienten und der betreuenden Angehörigen gesteigert werden.

Massnahmen

Im ersten Schritt werden die Inhalte und Strukturen des Fallmanagements und des E-Learnings durch eine Bedarfsanalyse empirisch ermittelt. Im zweiten Schritt erfolgt die Erarbeitung von Lösungsansätzen gemeinsam mit den Anwendern. Die gewonnenen Erkenntnisse fließen bei der Spezifikation des digitalen allmanagements und E-Learnings ein. Ziel ist die Einführung in die Versorgungsrealität.

Der Nutzen des Projektes wird durch eine umsetzungsbegleitende Evaluation ermittelt. Erstmalig wird durch SimPat ein sektoren- und institutionenübergreifen des Konzept für einen effektiven und effizienten Informationsaustausch zwischen allen am  Versorgungsprozess Beteiligten umgesetzt.

Die systematische Entwicklung und Evaluation der Gesundheitsdienstleistung deckt Potenziale zuverlässig auf, und bildet die Basis für eine stetige und nachhaltige Weiterentwicklung des Dienstleistungssystems SimPat.

Ergebnisse

Digitale Lösungen können den Versorgungsprozess unterstützen und Kommunikations- und Informationsdefizite überbrücken. So könnten der Hausarzt und der möglicherweise vorhandene Pflegedienst beispielsweise eine kurze Benachrichtigung erhalten, sobald der Entlassprozess beginnt. Besondere Aufmerksamkeit liegt zudem auf der Übermittlung des Arztbriefes und der Informationsbereitstellung zur Medikation. Diese Bereiche werden auch durch das Gesetz für sichere digitale Kommunikation und Anwendungen im Gesundheitswesen (E-Health-Gesetz) adressiert. Seit Oktober 2016 haben Patienten, die drei und mehr Medikamente erhalten, Anspruch auf einen Medikationsplan (§31a SGB V), der ab 2018 auch elektronisch verfügbar sein soll (§291a SGB V). Auch dieser Prozess kann durch ein Fallmanagementsystem unterstützt werden.

Der Mehrwert der digitalen Dienstleistung beruht daher auf der Verfügbarkeit, Richtigkeit und Vollständigkeit versorgungsrelevanter Daten für alle am Versorgungsprozess Beteiligten. Damit dieser Mehrwert realisiert werden kann, ist es essentiell, dass die Nutzer der Digitalisierung gegenüber aufgeschlossen sind, den Mehrwert erkennen und die digitalen Lösungen anwenden. Dementsprechend darf ein solches Fallmanagementsystem keinen Mehraufwand für die Akteure darstellen. Des Weiteren ist es wichtig, dass alle medizinischen Mitarbeiter die Qualifikationen für die Integration digitaler Lösungen in den Versorgungsprozess aufbauen (Carius, Zippel-Schultz, Schultz, Schultz, & Helms, 2016). Da ein Mehraufwand aufgrund der verschiedenen eingesetzten Softwarelösungen (Interoperabilität, Sekundärsystem) gerade im ambulanten Bereich zunächst nicht vermeidbar ist, müssen die Vorteile eines Fallmanagementsystems durch die Vereinfachung der Abstimmungsprozesse und damit einer höheren Effektivität der Versorgung sichtbar werden, um eine langfristige Nutzung sicherzustellen.

Letztlich ist es entscheidend für den nachhaltigen Erfolg derartiger integrierter Versorgungsansätze, dass für alle involvierte Anspruchsgruppen wertstiftende Geschäftsmodelle entwickelt werden (Schultz & Zippel-Schultz, 2018).

Veröffentlichungen

2019

  1. Beitrag im Darmstädter Echo (August 2019)
  2. Steiner, B., Zippel-Schultz, B., Popa, A., Hellrung, N., Szczesny, S., Möller C., Schultz, C., Haux, R.: CASEPLUS-SimPat: An Intersectoral Web-based Case Management System for Multimorbid Dementia Patients. Journal of Medical Systems (eingereicht im September 2019)

2018

  1. 10. Kongress der Deutschen Alzheimers Gesellschaft, Vortrag und Kurzbeitrag „Digitalisierung für Angehörige: SimPat zeigt wie es funktionieren kann“ (Oktober 2018)
  2. European Association of Hospital Managers (EAHM) Conference 2018. Vortrag und Kurzbeitrag „Do Regional Networks Matter? Examining the Role of Hospital Networks and Service Innovations in Patient Care Outcomes Across Regions” (September 2018)
  3. Popa, A., Steiner, B., Zippel-Schultz, B., Augustin, A., Möller, C., Schultz, C. (2018): Demenz digital – Chancen Digitalisierung und Demenz. In:  Horneber, M., Püllen, R., Hübner, J. (Hrsg.) Das Demenzsensible Krankenhaus, Kohlhammer
  4. Zippel-Schultz, B., Popa, A., Schultz, C.: IT gestütztes Entlassmanagement, Herausgeberband „Digitale Transformation in der Pflege“ (im Druck)
  5. Jahrestagung der Deutsche Gesellschaft für Gesundheitsökonomik, Vortrag „Challenges to Integrating Information in Complex Healthcare Settings: An Analysis of Hospital Discharge Management for Multi-morbid Patients with Dementia“ (März 2018)
  6. 63. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie, Poster „CASEPLUS-SimPat: Digitales Fallmanagement für die Versorgung multimorbider Patienten mit Demenz“ (September 2018)
  7. Bewerbung Gesundheitsnetzwerkerpreis, Aufnahme in die Shortlist inkl. Veröffentlichung in der Preisträgerbroschüre (Mai 2018)
  8. Pressemitteilung im Darmstädter Echo online (April 2018)
  9. Maetzler, W., Schultz, C. (2018): Patient führt elektronische Patientenakte selbst: spricht etwas dagegen? In: neuro aktuell 1/2018, 32. Jahrgang Heft Nr. 259, S. 14-16.
  10. Schultz, C., Oldhafer, M., Zippel-Schultz, B. (2018): Warum bedarf es einer Stelle für das Innovations- und Change Management im Krankenhaus? Relevanz und Erfahrungen dedizierter Funktionen. In: Becher, B., Hastedt, I. (Hrsg.) Innovative Unternehmen der Sozial- und Gesundheitswirtschaft: Herausforderungen und Gestaltungserfordernisse (Sozialwirtschaft innovativ), 1. Aufl., Springer VS.
  11. Schultz, C., Zippel-Schultz, B. (2018): Geschäftsmodelle für Telemonitoring: Relevanz, Eigenschaften und Umsetzungsbarrieren. In: Troll, R. (Hrsg.) Praxisbuch eHealth. Von der Idee bis zur Umsetzung, 2. Aufl., Kohlhammer. ISBN 978-3-17-032285-1

 2017

  1. Zippel-Schultz, B., Schultz, C., Helms, T.M. (2017). Aktueller Stand und Zukunft des Telemonitoring: Szenarien für die telemedizinische Versorgung im Jahr 2025 In: Herzschrittmachertherapie + Elektrophysiologie, 28(3), 245-256 https://doi.org/10.1007/s00399-017-0520-4
  2. Schultz, C., Zippel-Schultz, B. (2018): Geschäftsmodelle für Telemonitoring: Relevanz, Eigenschaften und Umsetzungsbarrieren. In: R. Trill (Hrsg.) Praxisbuch eHealth: Von der Idee zur Umsetzung 2. Aufl., Kolhammer. ISBN 978-3-17-032285-1
  3. Maetzler, W., Schultz, C. (2018): Patient führt elektronische Patientenakte selbst: spricht etwas dagegen? In: neuro aktuell 1/2018, 32. Jahrgang Heft Nr. 259, S. 14-16.
  4. Beitrag in „Das Krankenhaus“ (Mai 2017)
  5. Zippel-Schultz, B., Oppermann, B., Popa, A., Augustin, U., Haux, R., Möller, C., Pfisterer, M., Schultz, C. (2017): Schwachstellen im Versorgungsprozess demenzkranker Patienten nach einem traumatischen Sturzereignis – Erste Ergebnisse des SimPat Projektes. Vortrag TELEMED 2017
  6. Pressemitteilung zu SimPat (April 2017)
  7. Medinfo 2017, Vortrag „Information and Communication Gaps in Intersectoral Healthcare Processes for Dementia Patients“ (August 2017)

2016

  1. Möller, C.: Digitale Strategie zur Versorgung von Menschen mit Demenz. DEVKthema (2016, Ausgabe 13)
  2. Oppermann, B., Zippel-Schultz, B.,  Augustin, U., Popa, A., Schultz, C., Haux, R. (2016): Information and Communication Gaps in Intersectoral Healthcare Processes for Dementia Patients. Stud Health Technol Inform (Beitrag MedInfo)
  3. Pressemitteilung AGAPLESION (2016)

Projektpartner

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